Da müht man sich also über diverse BBQ-Nachmittage im Niedrigtemperaturgaren am Weber ab und erlangt so langsam aber sicher Einblick in die Geheimnisse der Temperatursteuerung mittels der beiden Lüftungsregler der Kugel, da kommt doch der Smokenator und schickt einen zurück auf “Los” und macht alles neu.
Aber erst mal schön der Reihe nach: Den Smokenator habe ich im Forum des Grillsportvereins und auf “amazing ribs” erwähnt und als ausgezeichnet bewertet gefunden. Da hat sich also jemand (hello, don!) in der beneidenswerten Heimat des BBQ und der Webergrills Gedanken gemacht, wie man aus der Kugel einen Smoker und das low & slow cooking zu einer Leichtigkeit machen kann.
Der Smokenator selbst besteht “nur” aus einem Stück zurecht geschnittenen, rechtwinklig abgekanteten Stahlblech von ca. 2mm Stärke und einer “Wasserwanne”. Das Stahlblech hat 2 runde Aussparungen für die Luftzirkulation und zum etwaigen Nachfüllen von Brekkies oder Holz sowie zum Stochern in der Glut und eine rechteckige Aussparung für die Wasserwanne. Der Smokenator wird am Kesselrand im Kohlegitter ein- und auf den Grillrostträgern aufgesetzt. Der Grillrost paßt bündig auf den Smokenator und man kann über die klappbare Seite Wasser nachfüllen und in der Glut stochern.
Der Smokenator in der Theorie (laut Anleitung): Er wird mit 48 Brekkies befüllt. Darauf kommen gute 4 Stück Räucherholz (3cm Würfel) und darauf 12 aschgrau brennende Brekkies. Die Wasserpfanne wird eingesetzt und gut befüllt. Deckel drauf. Untere Luftzufuhr voll auf, obere Luftzufuhr nur bleistiftbreit geöffnet. Bei 230° F kommt das Grillgut auf den Rost. Der Wasserstand muss stetig kontrolliert werden! Ab und an mit dem mitgelieferten Grillspieß in der Kohle stochern, damit sie weiter durchbrennt. Hält 6 Stunden die Temperatur. Der Smokenator verfährt nach der Minion-Methode, d.h. die aufgelegten glühenden Briketts brennen die darunter liegenden Briketts weiter und weiter durch und halten so die Temperatur. Und dies, OHNE stinkenden Rauch von der Kohle! Eine klasse Methode!
Der Smokenator in der Praxis: Von den 48 Brekkies (Raiffeisen-Briketts, 100% Buche) habe ich gut 10 wieder rausnehmen müssen, da kein Platz mehr war. Von einem gut abgelagerten Ast eines Kirschbaumes habe ich mir 4 Stücke gesägt, 3 davon auf die Brekkies gelegt. 12 vorgeheizte Brekkies passten dann noch so grade drauf, mit etwas Hin- und Hergeschiebe war auch noch Platz für die Wasserwanne. Gut mit Wasser füllen, Rost drauf, Deckel zu. Warten. Die Vents wie vorgeschrieben gestellt. Ratzfatz ging es auf 230° F und blieb dort stehen. SUPER!
Erstmal stinkt es mehr als dass es smokermäßig duftet, was wohl an den Kohlen liegt. Also habe ich ne halbe Stunde gewartet, bis es eigentlich nur noch gut nach Räucherholz duftete. Zimmerwarmes Grillgut auf den Rost. Tja, und dann hab ich irgendwie Mist gebaut. Die Temperatur ging nicht wieder unter 300° F, und das über 2 Stunden! Ich hab an den Regler gedreht wie ein Bekloppter, bei sinkendem Wasserstand kaltes statt warmem Wasser nachgefüllt. Nix. Dann hab ich mich entschlossen, die Ribs zu retten und sie in in eine Schale gegeben, Cidre bodenbedeckend eingefüllt und mit Jehova abgedeckt und das ganze wieder auf den Rost. Dann kam ich auf 230° F und blieb auch dort. Puh!
Nach zwei Stunden Ribs raus aus Jehova und mit drei verschiedenen Saucen gemoppt, dann wieder auf den Rost für eine Stunde. Temperatur blieb bei 230° F, sank jedoch nach einer Dreiviertelstunde auf 200° F, die sechs Stunden waren auch um und es fehlten ja ganze 10 Brekkies.
Ergebnis: die Ribs waren SPITZE; die besten, die ich bisher gemacht habe! Sehr schöner Räucherring, voller Geschmack, außen knuspirg, innen zart und saftig. LECKER!
Fazit: Der Smokenator ist eine hervorragende Ergänzung für den Weber OTG! Man muß wahrscheinlich nur strikt (!) das Manual (am Ende des Artikels) befolgen und darf sich durch Temperaturschwankungen (es war auch starker kühler Wind) nicht verunsichern lassen, sondern muß die Ruhe bewahren. Alle dreiviertel Stunde muss der Wasserstand kontrolliert werden, denn hier verdampft eine Menge! Am besten mit sehr heissem Wasser nachfüllen, um allzu große Temperaturschwankungen zu vermeiden.
Den Smokenator gibt es meines Wissens nur direkt bei Don in den USA. Einfach auf der Website online bestellen, sicher per PayPal bezahlen und Don schickt das Paket umgehend per USPS Luftfracht von San José noch Frankfurt/Main, wo der deutsche Hauptzoll sitzt. Dort werden am Tag mehrere 100.000 Paketstücke abgefertigt und es kann schonmal etwas dauern, bis die Sendung weitergeleitet wird. Bei mir waren es ab Bestelldatum ganze 19 (!) Tage. Die Lieferung ab Frankfurt erfolgt per Deutscher Post/DHL und der Bote kassiert bei Aushändigung die knapp 12 Euro Zollgebühr. Sollte man in den Gesamtpreis einkalkulieren. Insgesamt ist der Smokenator kein billiges Vergnügen, aber welches Hobby ist das schon und welches Hobby schmeckt dann noch sooo gut wie perfektes BBQ?
Don hat mir extra das von den amerikanischen Maßeinheiten Inch/Fahrenheit zum europäischen metrischen System cm/Celsius umgewandelte Manual als PDF zur Verfügung gestellt: metric-smokenator-brochure081508
